Ich habe Ihre geschriebenen Worte vom 10.9.2025 zur Kenntnis genommen, wie wir uns alle auch regelmäßig Ihre ausschweifenden Vorträge im Stadtrat anhören müssen.
Ich will hier ausdrücklich nicht auf Ihre inhaltlichen Punkte zu den Sachthemen der Kommunalpolitik eingehen, denn das haben wir oder die Stadtverwaltung in den jeweiligen Ausschüssen längst getan. Und darum geht es Ihnen bei Ihren Stellungnahmen auch gar nicht.
Mit Ihrem Verhalten zu Beginn der letzten Sitzung am 4.9.2025 wird einmal mehr deutlich, dass es Ihnen zunehmend nicht mehr um unsere schöne Stadt geht, sondern einzig um Ihre persönliche Darstellung. Der Stadtrat ist für Sie spätestens mit Einzug der Kamera zur Bühne geworden- wie er auch für die AfD zur Bühne geworden ist.
Sie sind dermaßen in Ihrer Geltungssucht gefangen, dass Ihnen nicht mal mehr in den Sinn kommt, bei der Verwaltung und den anderen Ratsfraktionen vorab konstruktiv anzufragen. Nein - für Sie sollen alle Zuschauer den Saal verlassen. Ihnen fällt nicht mal mehr auf, dass die meisten anderen Fraktionen die inhaltlichen Diskussionen in den Fachausschüssen austragen und dort auch ihre Anträge und Anfragen stellen. Ihnen fällt nicht mal auf, dass Sie in unkollegialer Weise überproportional viel Redezeit in Anspruch nehmen. Ihnen fällt nicht mal auf, dass Sie den zwei grobschlächtigen und gewaltbereiten Protagonisten der AfD längst die Hand reichen. Ihnen fällt nicht mal auf, dass Sie im Gegensatz zu den vergangenen Ratsperioden mit Zwischenrufen auffallen und andere nicht aussprechen lassen. Ihnen fällt nicht mal auf, dass Sie mittlerweile eine fast isolierte Rolle im Stadtrat einnehmen.
Aber: Ihnen ist aufgefallen, dass negative Nachrichten und Kritik mehr Reichweite erzielen als positive.
Positive Nachrichten von neuen Wohnungen - endlich auch wieder für Menschen mit mittlerem Einkommen. Von schönen Parks und Plätzen, die wunderbare Orte der Begegnung werden. Von einer Bürgerbeteiligung, die es vorher nicht gegeben hat. Von neuen Schulhöfen und Sportplätzen. Von aufwendig sanierten Wohngebäuden und riesigen Projekten wie dem Industriehof oder der Kurpfalzkaserne. In all diese guten Weiterentwicklungen haben zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung enorm viel Arbeit und Herzblut eingesetzt! Und nicht zuletzt haben wir an der Spitze dieser Verwaltung eine Oberbürgermeisterin, die dieses Amt lebt. Die nach wie vor für unser aller Speyer brennt – trotz aller Krisen, die diese starke Frau in den letzten Jahren gemeinsam mit der Verwaltung bewältigen musste.
Selbstverständlich gibt es auch an vielen Stellen Luft nach oben und Kritik muss sich jeder gefallen lassen. Aber Sie reihen sich nun ein in eine Reihe von Männern, deren Sport es geworden ist, wöchentlich Mails, Leserbriefe oder Posts abzusetzen, um die Verwaltung zu kritisieren. Meist scheinbar mit großem Wissen. Das aber nicht groß genug ist, um reflektieren zu können, dass es in Fachgebieten oft unterschiedliche Ansätze gibt, dass neben allen gelingenden Projekten natürlicherweise auch Fehler passieren. Männer, die jegliche Anerkennung und Respekt vermissen lassen. Diese Männer lassen - wie Sie - auch nicht locker, denn sie wollen ihren Namen regelmäßig in der Zeitung oder in Facebook lesen.
Sie reihen sich auch ein mit der AfD, die davon lebt, eine düstere und negative Grundstimmung zu erzeugen und „gegen die da oben“ zu hetzen. Die ein Bild von unserem Speyer zeichnen, nach dem wir im letzten Loch lebten.
Es mag sein, dass wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in dieser negativen Aufmerksamkeitsökonomie nicht mithalten können. Allein die Mitglieder meiner Stadtratsfraktion setzen sich neben Beruf, Familie und Stadtrat noch in weiteren Ehrenämtern für andere Menschen ein. Wir engagieren uns in Sportvereinen, in der Gewerkschaft und der Mitarbeitervertretung. Wir kämpfen in Klassenkonferenzen um jeden Schüler und jede Schülerin, der bzw. die es nicht so leicht im Leben hatte. Wir kümmern uns um Familien und Kinder, wir engagieren uns kulturell, wir kämpfen im genossenschaftlichen Wohnungsbau um jede bezahlbare Wohnung. Von unseren weiteren Genossinnen und Genossen, die sich ohne großes Aufsehen sozial engagieren, will ich gar nicht erst anfangen.
Uns fehlt schlichtweg die Zeit, um mit Menschen wie Ihnen, die mit ihren Anträgen und Anfragen die Verwaltung und den Stadtrat lahmlegen, mithalten zu können. Wir haben auch nicht die Zeit, um ständig online zu sein und jeden anmaßenden Post inhaltlich adäquat und anständig zu kommentieren.
Denn uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten geht es nicht um uns, sondern um die Menschen.
Herr Ableiter, mein Vater Klaus Seither sagte zu Beginn meiner ersten Ratsperiode 2014 mal zu mir: „Der Ableiter redet zwar viel, aber hat manchmal auch gute Ideen.“
Damals war das noch so. Die YouTube-Kamera tut Ihnen nicht gut, Herr Ableiter.
Mit freundlichen und trotz allem noch respektvollen Grüßen
Johannes Gottwald