Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt - am Ende zählte man 130 Besucher- Stehplätze nicht inbegriffen bei der Podiumsdiskussion des SPD-Stadtverbandes zum Thema Altersarmut im Naturfreundehau. Anlass des großen Interesses der Besucher war nicht nur die Thematik, sondern auch die Kompetenz der geladenen Podiumsgäste. So war auch Sozialministerin Malu Dreyer von Mainz für eine Diskussionsrunde mit Spitzenvertretern verschiedener Organisationen angereist. Auch Beate Schnitzius, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit aus Ludwigshafen, kam nach Speyer. Edith Schwab, normalerweise Pendlerin zwischen Speyer und Berlin, gab ebenso wie Hartmut Hüfken, ein Heimspiel.
Während die Rechtsanwältin Edith Schwab als Bundesvorsitzende der alleinerziehenden Mütter und Väter die Situation ihrer Klientel beleuchtete, gab Hartmut Hüfken als Chef der Deutschen Rentenversicherung Rheinland-Pfalz Informationen zum Rentensystem und seiner Entwicklung. Konsens aller Beteiligten: Die Rentenprognosen früherer Zeit haben sich nicht bestätigt. Künftige Generationen müssen Vorsorge treffen, Geschlechtergerechtigkeit und Bildungsgerechtigkeit sind anzustreben; und die Politik hat die Aufgabe, hierfür Weichen zu stellen. Schwab lobte mit Blick auf die Kinderbetreuungseinrichtungen in Rheinland-Pfalz die Landesregierung für ihre Weitsicht in diesem Bereich. "Wir sind mit Ganztagesschulen und beitragsfreien KiTa-Plätzen Vorreiter im Vergleich zu etlichen Bundesländern. Nur mit der Chance auf Arbeitsplätze könnten Mütter Rentenanwartschaften erwirtschaften, die ihnen ein späteres Auskommen ermöglichten. Die Diskussion wurde von der Landtagsabgeordneten Friederike Ebli moderiert. Nach den Statements der Podiumsgäste, die alle auf den jeweiligen Vorredner Bezug nahmen und sich gegenseitig ergänzten, erhielt das Publikum Gelegenheit Fragen zu stellen und eigene Standpunkte zu erläutern. Kritik gab es an der Arbeitsmarktpolitik, die die prekären Verhältnisse begünstige und nur den Forderungen der Wirtschaft nachkomme. Mit 400-Eurojobs könne man nur "von der Hand in den Mund" leben und Zeitarbeit schaffe nicht die Sicherheit, die für Familiengründung gebraucht werde. Leiharbeit habe eine missbräuchliche Ausdehnung erfahren. Hier seien Regulierungen dringend nötig. Gefordert wurde zudem die Einführung eines verbindlichen Mindestlohns. Altersarmut drohe vor allem künftigen Generationen, wenn jetzt nicht gehandelt werde. Betroffen seien vor allem Frauen, letztlich aber auch die ganze Gesellschaft. Die Veranstaltung verstand sich als Auftakt einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto "HEUTE-MORGEN-ÜBERMORGEN". Eine Folgeveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und der AG60plus ist für den Jahresanfang geplant.