Stefanie Seiler

#seiler26
Oberbürgermeisterin für Speyer seit 2019

instagram.com/stefanieseiler.speyer

Marlene Gottwald

#teammarlene
Landtag RLP 2026

instagram.com/marlene.gottwald
marlene-gottwald.de

Grand Dame der Speyerer SPD Margarete Boiselle wird 90

Veröffentlicht am 05.06.2012 in Aktuell

Gabriele Boiselle, Walter Feiniler, Margarete Boiselle-Vogler, Markus Wintterle (von links)

Als Margarete Boiselle-Vogler, von ihrer Tochter Gabriele begleitet, an ihrem Ehrentag mit der Kutsche am Speyerer Rathaus eintraf und vom SPD-Vorsitzenden Walter Feiniler galant die Hand gereicht erhielt, sagte eine dem Ereignis zufällig beiwohnende Touristin zu ihrem Begleiter mit viel Gefühl in der Stimme: "Ach welch schönen Anblick dieses ältere Hochzeitspaar bietet." Der Frau war in diesem Moment absolut nicht bewusst, dass der vermeintliche Bräutigam und Parteigenosse der Grande Dame bei deren Eintritt in die Kommunalpolitik noch gar nicht das Licht der Welt erblickt hatte.

Bereits ihre erste Kutschfahrt, seinerzeit aus Anlass ihrer Hochzeit war, wie Tochter Gabriele berichtete, sei ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges gewesen, der Dom proppenvollen. So nahm es kein Wunder dass zum 90. Wiegenfeste die Gratulantenschar derjenigen, die der ersten Dame der Stadt im Historischen Ratsaal zu ihrer Lebensleistung huldigen wollten, nicht abriss. Der von den Parteifreunden der SPD feierlich geschmückte, ehrwürdige Raum, war bis zum letzten Stehplatz besetzt, als nach langer Gratulationscour Parteivorsitzender Feiniler als erster Festredner ans Pult schritt.

Den Geburtstagsgrüßen an die Jubilarin und Tochter schlossen sich Grüße an die zahlreich erschienene Prominenz an. Darunter Ministerpräsident Kurt Beck mit Amtsvorgänger Bernhard Vogel, die Bundestagsabgeordnete Doris Barnett, der Landtagsabgeordnete Dr. Axel Wilke, Staatsminister a. D. Georg Gölter, Staatssekretär a. D. Roland Hertel sowie Oberbürgermeister Hansjörg Eger und seine Amtsvorgänger Dr. Christian Roßkopf und Werner Schineller. Grußadressen richtete Feiniler zudem an den ehemalige Bürgermeister Heinrich Zier, Bürgermeisterin Monika Kabs, SPD- Fraktionschef Dr. Markus Wintterle und Dekan Friedrich Jakob nebst amtierenden und ehemaligen Ratskollegen.

"90 Jahre jung und fit zu bleiben ist nicht jedem vergönnt", betonte der Parteifreund mit bewegten Worten. Margarete Boiselle-Vogler, die Grande Dame Speyers, sei aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken. Das Geburtstagskind, das eine starke Persönlichkeit auszeichne, sei in ihrem Leben geprägt von ihrer nunmehr 48-jährigen Zugehörigkeit im Stadtrat, ihrer Parteiarbeit, ihrem Unternehmen sowie dem vielseitigen kulturellen, sportlichen und sozialen Interesse, dem sie zahlreiche Ehrenmitgliedschaften zu verdanken habe.

Die Jubilarin gehört seit 1953 der SPD an und sitzt seit nunmehr zehn Wahlperioden für die Partei im Stadtrat. Boiselle-Vogler zeichnete sich in ihrem Leben durch ein hohes Maß an Souveränität aus. Sie hat im Laufe der Jahrzehnte ein besonderes politisches Gespür entwickelt, das sie dazu befähigte, sich überparteilich, in hohem Maße von ihrem Gerechtigkeitssinn geprägt, für eine possitive Entwicklung ihrer Heimatstadt einzusetzen.

Noch viele aktive Jahre bei bester Gesundheit verbunden mit tief empfundenem Dank - diesem Wunsche Feinilers schloss sich auch Ministerpräsident Beck in seiner Festrede an. Beck ehrte die Stadträtin Boiselle-Vogler für deren langjähriges kommunalpolitisches Engagement. Sie habe während ihrer langen Ratszugehörigkeit ein großes Stück der jüngeren Stadtgeschichte mitgeprägt. Wörtlich sagte Beck:„Ihr Schaffen, liebe Frau Boiselle-Vogler, zeichnet sich durch Ideenreichtum und außerordentlichen Einsatz in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens aus. Neben Ihren unternehmerischen Leistungen und Ihrem Engagement für den Sport bringen Sie seit Jahrzehnten ungebrochen viel Kraft für die kommunalpolitische Arbeit auf. Inzwischen sitzen Sie in der 10. Wahlperiode im Stadtrat von Speyer und genießen über Parteigrenzen hinaus große Anerkennung“, so Ministerpräsident Beck, für den es ein persönliches Anliegen war, dem Festakt beizuwohnen. Mit einem hohen Maß an Souveränität und politischem Gespür sei es Frau Boiselle-Vogler gelungen, auch in schwierigen Situationen Brücken zwischen den Fraktionen zu bauen, so Kurt Beck weiter.

Als Mitglied im Kulturausschuss, im Bau- und Planungsausschuss und als erste Frau, die dem Stadtwerke-Ausschuss in Speyer angehörte, war Margarete Boiselle-Vogler außerdem an wichtigen Weichenstellungen im städtischen Leben beteiligt und habe immert ein großes menschliches, soziales Herz gegenüber armen und benachteiligten Menschen, besonders in schlechten Zeiten, bewiesen.

Der Ministerpräsident verriet den Anwesenden von einer weiteren bevorstehenden Ehre für die Jubilarin im Verlauf der nächsten Wochen. Dann wird er im Namen des Bundespräsidenten vermutlich Margarete Boiselle-Vogler mit dem Verdienstkreuz schmücken. Während der im Amt befindliche OB Eger in einer kurzen Ansprache den Dank der Bürgerschaft mit dem Wunsch nach deutlich mehr als nochmals zehn Jahren Aktivität aussprach, würzten seine Amtsvorgänger Schineller und Roßkopf ihre Laudatio mit humorvollen Anekdoten. Schineller ließ Leben und Zeit der "ersten Bulldogfahrerin des Landes" nochmals Revue passieren. Er nahm Bezug auf Boiselle-Voglers erste Schritte im Stadtrat und schlug danach eine Brücke zur heutigen Amtsperiode.

Heute sei manches schwerer durchzusetzen als seinerzeit. Damals sei viel gute Arbeit im Sinne Speyers geleistet worden. Die Grande Dame habe immer hohes kommunalpolitisches Engagement gezeigt und der kulturellen und städtebaulichen Entwicklung ihren Stempel aufdrücken können.

Auch Dr. Roßkopf bezog sich in seinem Beitrag auf die gemeinsame, konstruktive Arbeit im Rat und gedachte noch einmal der gemeinsamen Anstrengungen im Kulturausschuss, als es in den sechziger Jahren galt, erfolgreich beider Kräfte gegen den bereits beschlossenen Abriss des Feuerbachhauses zu bündeln. Auch er habe als zehnjähriger Erfahrungen mit dem Bulldog machen dürfen und wisse, wie schwierig es damals war, ein solches Monstrum überhaupt erst zum Laufen, geschweige denn zum Fahren zu bringen. Roßkopf beendete seine Ende mit dem Wunsch, Boiselle-Vogler, eine "herausragende Persönlichkeit der Sozialdemokratie", solle weiterhin vital und neugierig zu bleiben und wie in den bisherigen 48 Jahren Amtszeit ihre weise Stimme erheben, wenn es die Notwendigkeit erfordere.

Tochter Gabriele legte besonderen Akzent auf das Familiäre im Leben ihrer Mutter, die mit großer Lebensenergie und einem stark ausgeprägten Willen ausgestattet durchs Leben gegangen sei, und dies immer noch erfolgreich tue. "Sie war und ist Vorbild für mich, weil sie das Maximale aus ihrem Leben gemacht hat und sich nach wie vor glücklich fühlt."

Margarete Boiselle-Vogler (gemäß Geburtsurkunde eigentlich Luise Margareta) sprach in ihrer Erwiderung von der besonderen Ehre, der ihr durch den zahlreichen Besuch an ihrem Geburtstag zuteil geworden sei. Sie dankte zum einen Kurt Beck für dessen Worte der Anerkennung. Die Auszeichnung seines Besuches erfülle sie mit Stolz. Es sei nicht immer einfach gewesen, Familie, Betrieb und Politik unter einen Hut zu bringen. "Ich bin bald 60 Jahre Mitglied der SPD. Dies halte ich für eine gute Entscheidung." Ein herzliches Dankeschön ging an die Adresse aller Freunde und Gäste sowie die Bürger der Stadt für 48 Jahre Vertrauen.

"Es ist schade, dass so viele Leute stehen müssen", sagte sie um sich blickend. "Ich habe nicht mit einem solchen Andrang gerechnet. Der hunderste Geburtstag wird deshalb in der Stadthalle gefeiert!" Mit Wehmut gedachte sie dabei auch der verstorbenen Parteifreundin und späteren Bundestagsangehörigen Luise Herklotz, mit der sie ein besonders freundschaftliches Verhältnis verbunden hatte. Für sich selbst wünschte sie sich, dass ihr der Herrgott noch lange, schöne Jahre schenken möge.

  • Bildergalerie bei speyer-aktuell.de